„Irgendwann habe ich ganze Stücke herausgeschnitten˝
Was sich für manche wie ein Horrorfilm anhört ist für andere bittere Wirklichkeit. Sie sind gefangen in dem Verlangen danach, sich selbst zu verletzen. Im schlimmsten Fall versuchen sie, sich selber umzubringen. Einigen gelingt es, andere scheitern. Sophie wurde von allen als Erwachsene behandeltDie 17-jährige Sophie (Name geändert) hat vor rund zwei Jahren mit dem Ritzen begonnen. Alles fing damit an, dass ihr Großvater zu dieser Zeit gestorben war. Sie war damals erst 14, wurde jedoch von allen wie eine Erwachsene behandelt. Jeder kam mit seinen Gedanken und Sorgen zu ihr, für alle musste sie Zuhörerin sein. Darüber, dass sie selber nicht klar kam mit dieser Situation, hat sich niemand Gedanken gemacht.
Also hat sie etwas gesucht, um ihre Wut rauszulassen. „Zu diesem Zeitpunkt was ich so ziemlich auf jeden sauer und als ich feststellte, dass dies niemand bemerkte, war ich wiederum darauf sauer. Tja, und da sah ich diese Sendung im Fernsehen…“ Dort hörte Sophie zum ersten Mal vom Ritzen. „Vielleicht ist es ja ganz geil!“„Hmm…versuch’s mal, vielleicht ist es ja ganz geil“, war ihr erster Gedanke, der ihr mittlerweile selbst absurd vorkommt. Zunächst waren ihre Schnitte klein, eher Kratzer. Doch dann begann sie immer tiefer zu schneiden. „Irgendwann hab ich dann einfach ganze Stücke rausgeschnitten. Hört sich widerlich an, ich weiß“, gibt Sophie zu. Trotzdem hatte sie sich nach einer Zeit an den Schmerz gewöhnt und auch ein guter Freund der nach drei Monaten versuchte, sie vom Ritzen abzuhalten, konnte ihr nicht helfen. „Der Schmerz war erleichternd“Sie brauchte ihn einfach, den Schmerz – jeden Tag. „Das Ritzen war eine Art Ventil für mich, um meinen Schmerz zu bewältigen. Die Handlungen waren wohl herzgesteuert, und der Schmerz hinterher war immer sehr erleichternd.“ Und dann kam der Tag im Januar, an dem sich alles veränderte. Sophie hatte verschlafen, noch dazu schlechte Laune und aus ihrer Laune heraus, nahm sie einfach alle Tabletten, die sie im Haus finden konnte zu sich und legte sich ins Bett. Sie hatte genug vom Leben.
Die Eltern haben nicht nach den Gründen gefragtIhre Eltern haben nach ihrem Selbstmordversuch außer einem „Warum?“ und „Was hast du uns angetan?“ nicht weiter nach den Gründen gefragt. Das Ritzen haben sie ihr verboten, mehr aber auch nicht. Sophie ist jetzt soweit, dass sie nicht mehr auf andere Menschen angewiesen ist: „Dafür wurde ich zu oft enttäuscht. Ich habe gelernt, dass ich gut alleine sein kann und so auch prima klar komme. Man kann seine Ziele verfolgen, ohne immer das Gefühl zu haben, dass man anderen Leuten weh tut. Ich bin immer für jeden da, wenn man mich braucht, aber für mich ist nie jemand da, also warum soll ich mir dann nur noch mehr Sorgen anderer aufhalsen?“. SuizidSelbstmord ist eine der häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen in Deutschland. Durch Suizid sterben fast so viele junge Menschen wie im Straßenverkehr. Insgesamt nahmen sich im Jahr 2006 in der Bundesrepublik 9.765 Menschen (Das sind knapp 28 Menschen an einem Tag.) das Leben. 7.225 Männer und 2.540 Frauen. Todesursachen wie Drogenkonsum, bewusst herbeigeführte Verkehrsunfälle und eine unbestimmte Anzahl nicht erkannter Selbstmorde wurden hierbei nicht mitgezählt. Sich zu erhängen ist die bevorzugte Sterbeart der Selbstmörder. Fast jeder zweite Suizid wurde auf diese Art begangen. An zweit „beliebtester“ Stelle steht der Tod durch Vergiftung. Bei den Männern folgt weiterhin auf Platz drei der Griff zur Feuerwaffe, Frauen wählen den „Sturz aus der Höhe“. Statistiken der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen, dass alle 40 Sekunden irgendwo auf der Welt ein Selbstmord stattfindet. Ein Ziel hat sie mittlerweile gefunden – Sie möchte Ärztin werden. Dafür hat sie sogar mit dem Ritzen aufgehört. „Die in der Klinik kennen meine Vorgeschichte nicht und ich möchte durch das Selbstverletzen nicht meine Zukunft zerstören.“ Sollte es ihr trotzdem mal wieder schlecht gehen, lenkt sie sich mit Lernen für die Schule oder Aikido so gut es geht ab. „Ist zwar nicht die Ideallösung, aber ich komme trotzdem ganz gut damit klar.“ Personen, die mit dem Gedanken spielen, sich selber umzubringen rät Sophie, sich hinzusetzen und sich zu überlegen, was sie gerne für die Zukunft möchten – und zwar ernsthaft möchten. Dass sie sich Gedanken darüber machen, dass das Leben auch anders sein kann mit ein wenig Selbstdisziplin. „Ebenso sollten diese Menschen auch die Hilfe von anderen annehmen, wenn sie sie angeboten bekommen.“, meint Sophie. „Freunde können zuhören und da sein. Das hilft manchmal schon sehr viel.“ Sabrina Gundert Kontakte für Hilfesuchende www.kinderundjugendtelefon.de: Kinder- und Jugendtelefon, kostenlos zu erreichen unter 0800 111 0 333. www.telefonseelsorge.de: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 (Die Telefonseelsorge Deutschland ist 24 Stunden erreichbar und bietet auch Online-Beratungen per Mail und Chat an.) Mehr Links 3 Kommentare zu „Irgendwann habe ich ganze Stücke herausgeschnitten˝ |
|
|
© KulturForum TürkeiDeutschland / Cafeterra 2012 - Impressum - Verwendungsbedingungen |
|
alsoich finde, derjenige/diejenige der/die sich ritzt, wird wschon einen grund dafür haben und wenn es für sie/ihn erleichternd ist, soll er/sie es machen. ich habe mich auch mal geritzt aber mir hat es nicht geholfen. es gibt auch andere möglichkeiten, probleme zu lösen..
ich habe mir auch mal ganze stücke aus meiner haut herausgeschnitten. Aber meine eletern haben es mitbekommen und mich in eine klinik geschickt. dort habe ich meine probleme anders gelöst !
Lieben Gggruße. Michelle
ich ritze mich auch aber nur wegen meinen vater:alien: