Am Montag erklärte unser Bundespräsident seinen sofortigen Rücktritt, weil er sein Amt durch ein in seinen Augen übertriebenes Medienecho auf eigene Aussagen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr beschädigt sah. Der Rücktritt kam für alle sehr überraschend. Köhler war im Volk beliebt und zeigte vor allem während seiner ersten Amtszeit Stärke, indem er zu Recht seine Unterschrift für nicht verfassungskonforme Gesetze verweigerte. Im letzten Jahr nahm die Kritik an seiner Person zu. Im Bundespräsidialamt war er ein schwieriger Chef. Zahlreiche Mitarbeiter verließen ihn. Köhler war kein Politiker. Er verfügte nicht über die nötigen Netzwerke, was ihm immer weniger Rückhalt verschaffte. Eine klare Linie fehlte. Als ehemaliger Direktor es IWFs hätte er in der Finanz- und Wirtschaftskrise stark auftreten können. Er musste die Erfahrung machen, dass man in seinem Amt nur beschränkte Möglichkeiten hat und nicht unbedingt Gehör findet. Sein Radiointerview, was ihm schließlich das Genick brach, war missverständlich. Er sagte, die Bundeswehr sei auch aus wirtschaftlichen Interessen im Auslandseinsatz. Gemeint war wohl die Operation Atalanta. Das Interview bezog sich insgesamt aber auf Afghanistan.
Jetzt ist die Debatte über einen Nachfolger entbrannt. Schwarz-Gelb hat eine deutliche Mehrheit in der Bundesversammlung und wird wohl die Gelegenheit nutzen, um endlich mal wieder starkes gemeinsames Auftreten zu zeigen. Favoriten sind im Moment wohl Arbeitsministerin von der Leyen und Niedersachsens Ministerpräsident Wulff. Beide kommen direkt aus der Politik, aus Merkels Umfeld. Mit einem "unbequemen" Präsidenten, wie Köhler es sein wollte, muss sie wohl nicht rechnen.
Meiner Meinung nach hat keiner der beiden die nötige Ausstrahlung für das höchste Amt in unserem Staat. Das Amt des Bundespräsidenten, sollte durch einen Intellektuellen besetzt werden, jemanden aus dem Volk. Das bürgt natürlich die Gefahr der Dünnhäutigkeit, wie sie Köhler jetzt gezeigt hat. Mein Favorit aus den Reihen der Union wäre Bundestagspräsident Lammert. Er tritt neutral und mutig auf, hat im Dezember die eigene Regierung kritisiert. Für mich hat er auch die nötige Ausstrahlung.
Wie beurteilt ihr die Situation?