Schreiben wie ein Profi

zeitungsleserEs gibt Menschen, die halten Schreiben für eine Kunst oder gar eine Gabe. Zumindest das Verfassen journalistischer Texte ist jedoch meist nichts als ein Handwerk, das schnell zu erlernen ist – wenn man ein paar Regeln beachtet.

Aufbau

Dabei kommt es zunächst einmal auf einen klaren Aufbau an. Liest man Zeitungen aus dem 19. Jahrhundert, fühlt man sich beim Lesen oft an Schulaufsätze oder Kurzgeschichten erinnert. Wichtige Informationen waren in der Mitte der Artikel zwischen detaillierten Orts- oder Personenbeschreibungen versteckt.

Heute haben Journalisten einen anderen Standard. Die meisten Texte basieren in der Regel auf aktuellen Geschehnissen, so genannten Nachrichten. Über diese will sich der Leser schnell informieren. An dieses Bedürfnis angelehnt ist der Aufbau eines Artikels.

Das Neue und Besondere zuerst

Er beginnt mit der Überschrift und eventuell einer Unterzeile. Danach kommt ein Texteinstieg, der den Leser in zwei, drei Zeilen zum Thema führt, ohne die Nachricht vorwegzunehmen. Das kann ein Zitat sein, eine Anekdote oder eine historische Einbettung, Hauptsache es ist nicht langweilig.

Tastatur_metallicJetzt kommt man zum „Lead“, dem ersten eigentlichen Absatz. Hier werden in maximal zwei Sätzen die sogenannten W-Fragen beantwortet: Was? Wann? Wo? Wer? Warum? Je nach Thema kommen dazu noch Wem? Welchen? Wohin? Nur wichtig fürs Verständnis müssen sie sein. Sie dienen dem Autor als Checkliste („Hab ich alles drin?“) und als Konstruktionshilfe. Es ist nicht sinnvoll, sie immer und überall sklavisch herunterzuschreiben. Letztlich zählt das Besondere. Ziel des „Lead“ ist, den eiligen Leser in wenigen Zeilen darüber zu informieren, was es Neues gibt und worum es geht.

Schnelle Information

Verrät uns das „Lead“, dass sich zum Beispiel „die Regierungschefs der acht wichtigsten Industrienationen gestern im deutschen Ostseebad Heiligendamm zum G8-Gipfel zusammengekommen sind, um drei Tage lang dringende Fragen der Weltpolitik zu besprechen“, gibt der nächste Absatz diesem Skelett das Fleisch. Welche acht Länder? Wie heißen die Politiker? Was sind die Themen? Was passiert sonst noch in den drei Tagen? Mit diesen beiden Absätzen ist die „Nachricht“ komplett. Ergänzt der Autor nun weitere Absätze wird die Nachricht zum „Bericht“.

Bericht und Reportage

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In den folgenden Abschnitten eines Berichts steht dann etwas über Reaktionen auf und Erwartungen an das Ereignis. Spätestens hier taucht auch wörtliche Rede auf, um den Artikel lebhafter zu gestalten. Abschließend gibt es noch einige Zeilen zur Vorgeschichte des Ereignisses oder andere interessante Hintergrundinformationen. Solche Informationen finden sich aber auch häufig in Infokästen, die zum Artikel gehören, aber nicht in ihn eingebunden sind.

Weit weniger formal darf ein Text geschrieben sein, wenn es eine Reportage ist. Hier geht es weniger um das schnelle Abhandeln von Basisinformationen, als vielmehr um Lebendigkeit, die Menschen vor Ort, emotionale Einblicke und Lesespaß. Für eine Reportage muss der Autor (mit-)erlebt haben, worüber er schreibt und sollte ein wenig literarisches Geschick mitbringen. Regeln gibt es nicht, ebenso wenig wie bei der Schriftstellerei.

Verständlichkeit regiert

Grundsätzlich gilt für alle journalistischen Textformen: die Schriftsprache sollte sich nicht allzu sehr vom gesprochenen Wort unterscheiden. Rechtschreibung und korrekter Satzbau sind ebenso unerlässlich, wie „Kanak Sprak“ und Akademikersprache tabu sind. Ein guter journalistischer Text soll allgemein verständlich und leicht lesbar sein.

Wer ein paar allgemeine Stilregeln befolgt, kommt diesem Ziel schnell näher:

  • Aktiv statt Passiv! Meist gibt es jemanden oder etwas, das handelt. Also nennen wir den Menschen oder Gegenstand doch beim Namen. Das macht Satzkonstruktionen mit „werden“, „geworden“ und „wurde“ überflüssig. Es muss also nicht „etwas getan werden“. Vielmehr müssen wir oder sie oder wer-auch-immer etwas aktiv tun. Fehlt ein echtes Subjekt, ist „man“ die Notlösung.
  • Verben statt Substantivierungen! Wenn es eine(n) Handelnde(n) gibt, können wir uns manch Wortungetüm à la „Dringlichkeit“ ersparen. Wörter, die mit -ung, -heit, -keit, -schaft, -ling, -nis oder -tum enden, gehören ersetzt. Sie war „in Bedrängnis“? Nee, der Chef / der Hund / die Mutter bedrängte sie.
  • Keine Fremdwörter, kein Behördendeutsch! Vielen Menschen fehlt das Fachwissen und sie beherrschen auch keine Fremdsprachen. Das geläufige deutsche Wort erhält daher den Vorzug vor englischen, lateinischen oder wissenschaftlichen Ausdrücken. Behördensprache ist völlig tabu. Die „Bahnübergangssicherungsanlage“ ist einfach eine Schranke und das Wort „durchführen“ in allen Variationen tabu.
  • Verständlich statt weitschweifig! Worthülsen, Füllwörter, überflüssige Adjektive und Sprachklischees gehören zu dem, was Walther von LaRoche den „Blähstil“ nennt. Kommen noch verschachtelte Sätze mit vielen Kommata hinzu, hört der Leser schnell auf zu lesen. Daher sollten sich Autoren von Artikeln möglichst oft auf Haupt- plus Nebensatz beschränken. Durchschnittlich zwölf Wörter pro Satz (mal acht, mal sechzehn) sind eine gute Faustregel.

Ausführliche Beschreibungen journalistischer Darstellungsformen und entsprechender „Schreibe“ geben Walther von LaRoche: „Einführung in den praktischen Journalismus“ oder „Deutsch für Profis“ des ehemaligen Leiters der Hamburger Journalistenschule, Wolf Schneider. Weitere Buchtipps findet sich unter www.journalistische-praxis oder bei der Jugendpresse oder schuelerzeitung.de, dort werden auch Seminare und Workshops angeboten.

Boris Loheide

Und wer das Schreiben selbst ausprobieren möchte, kann gerne der Cafeterra-Redaktion Vorschläge für Artikel per E-Mail schicken: ctinfo@cafeterra.de

Bildnachweise: © RainerSturm, pixel-vun,hofschlaeger / www.pixelio.de

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