Waschen auf türkisch: Das Frauenbad des Hamam in Berlin-Kreuzberg „Das Frauenbad ist das Kaffeehaus der osmanischen Damen“, schrieb eine englische Diplomatengattin im 18. Jahrhundert. Heute pflegen auch die Deutschen Evelyn und Almuth diese türkische Tradition und besuchen mindestens ein mal in Monat das türkische Frauenbad – den Hamam in Berlin-Kreuzberg. Geändert hat sich nicht viel. Beim rituellen Begrüßungstee tun sie, was Frauen am liebsten tun: Plaudern, Klatsch und Tratsch – damals wie heute.
Für osmanische Frauen war der wöchentliche Besuch im öffentlichen Bad ein zentrales soziales Ereignis. Ebenso wichtig wie die lange Badeprozedur war die Zeit, die man, der männlichen Kontrolle entronnen, mit Freundinnen und Nachbarinnen zubrachte, persönliche und familiäre Probleme erörterte, Allianzen schmiedete und einen Blick auf die körperlichen Reize möglicher Schwiegertöchter warf. Das öffentliche Frauenbad war eine heimliche Zentrale der Frauenmacht und darum den Männern oft ein Dorn im Auge.
Das Bad als Zentrale der Frauenmacht? Das trifft heute nicht mehr zu. Auch Schwiegertöchter werden hier nicht mehr – wie es einst üblich – ausgesucht! Evelyn und Almuth sind schon vergeben. Der Grund, warum sie hier sind, ist ein ganz einfacher: „Es ist ein Ort von Frauen für Frauen, es ist für mich das Paradies. Der Ausstieg aus dem Alltag, der ist hier möglich.“
Eine silberne Schüssel bekommen sie, wenn sie dieses Paradies betreten – das wichtigste Utensil beim Gang in den Hamam. Sie dient den Frauen zum Schöpfen von Wasser. Es ist heiß im Hamam – über fünfzig Grad. Alles geht langsam, orientalisch eben. Kein hektisches Duschen, das Element Wasser soll bewusst gefühlt werden. Waschen ist hier mehr als die Reinigung des Körpers, es ist ein Ritual: Auch der Seele schenkt man viel Zeit.So vorbereitet, folgt ein paar Stunden später die so genannte „Kese“ – das Ganzkörperpeeling. Dafür reibt Vicdan Evelyn mit einem rauen Lappen ab. Üblicherweise geschieht das im Zentrum des Hamam, dem überkuppelten Hauptraum – nicht in einem separaten Raum wie hier – das ist die westliche Version des Hamam, inmitten der deutschen Hauptstadt. Das anschließende Einseifen ist der Höhepunkt der Reinigung. Nachdem die Poren der Haut durch das Peeling geöffnet wurden, wird sie mit viel – wirklich viel – Seife wohlig sanft.
„Ich genieße diese Körperberührungen, egal ob es das Peeling ist, was ich sehr angenehm finde oder dieses Einseifen, es ist für mich wie Schweben auf einer Wolke.“ sagt Evelyn. Behutsam holt Vicdan sie aus ihren Träumen – mit der Abschlussmassage. Eine Stunde dauert die Seifenzeremonie, Zeit genug, um sich auf den Tee danach zu freuen.
“In der Türkei plaudert man beim Peeling oder beim Einseifen ununterbrochen. Hier lassen wir die Kundinnen ganz in Ruhe, also keine Fragen keine Antworten.“ sagt Vicdan. Die 44-jährige Türkin arbeitet seit vier Jahren im Frauenhamam in Berlin-Kreuzberg.
Ihre Chefin, Ayten, liebt ihren Job. Der Austausch der Kulturen ist ihr Anliegen. Ihre Bemühungen haben sich gelohnt. Der Hamam ist heute Treffpunkt für Türkinnen und Deutsche. Das war aber nicht immer so. „Damals zu Beginn fragten die deutschen Frauen, ob sie auch hierher kommen dürfen. Irgendwo machen wir einen Fehler, dachte ich mir! Im Prospekt?„ Chefin Ayten änderte den Text im Prospekt. Seither kommen alle Frauen hier gerne hin.„Was ich hier besonders schön finde, ist dieser beheizte Stein, der in der Mitte des Bades sich befindet. Auf den kann ich mich nach dem Baden oder zwischen den Saunagängen legen. Er ist ganz warm. Der perfekte Ort zum Entspannen und Träumen.“ sagt die Jurastudentin Almuth.
Eine Oase der Ruhe – inmitten der Millionenmetropole Berlin. Sie lässt die Frauen die Zeit vergessen. Wer in den Hamam geht, kennt das gut: Zeit verliert hier tatsächlich ihre Bedeutung.
Aynur Güntemur-Rodler 3 Kommentare zu Waschen auf türkisch: Das Frauenbad des Hamam in Berlin-Kreuzberg |
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Super. Gibt es sowas auch wo ich wohne?
wo genau ist ide andrese und sind die bademeister weiblich???
ich hätte auch gewusst wo das ist